Forschungsprojekte

DFG-PROJEKT

Emmy Noether-Nachwuchsgruppe "More than meets the eye: Untersuchungen zur Integration, Funktion und Beeinträchtigung der Verarbeitung von direktem Blickkontakt"

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/387752651?languag=de


FORSCHUNGSINTERESSEN

Menschen sind Meister der sozialen Interaktion, so könnte man meinen: Wir koordinieren unsere Handlungen blitzschnell und präzise, wir kommunizieren mühelos, sei es in verschiedenen Sprachen oder nonverbal, und wir kooperieren miteinander, sogar über Kontinente hinweg. Gleichzeitig scheitern wir kläglich und immer wieder an der Herausforderung, Konflikte friedlich zu lösen und begrenzte Ressourcen zu verteilen.

Für dieses Spannungsfeld interessiere ich mich. Zum einen untersuche ich mit experimental-psychologischen und neurowissenschaftlichen Methoden die kognitiven Mechanismen, die sozialem Verstehen und Handeln zugrunde liegen. Wie können Blicke zu gelungener Kommunikation und Interaktion beitragen? Wie hängt das Sich-Einfühlen (Empathie) und das Sich-Eindenken (Theory of Mind) in andere Menschen zusammen? Auf der anderen Seite nutze ich Methoden der Mikroökonomie um herauszufinden, wie Menschen Ressourcen verteilen und wie wir prosoziale Motivation gezielt fördern können.

Grob lässt sich meine Forschung in drei Bereiche einteilen:

Die Rolle der Blicke

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Blicke haben in sozialen Situationen eine wichtige doppelte Funktion: Sie erlauben sowohl, Information zu gewinnen (z.B. was interessiert den Anderen?) als auch, diese zu kommunizieren. Entsprechend sensibel sind wir dafür, wo andere hinschauen – und wie sie schauen. Meine Studien zeigen beispielsweise, dass Blickkontakt unsere Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und unser Verhalten nachhaltig beeinflussen – selbst, wenn wir Blickkontakt nur zwischen anderen beobachten. Wichtige Fragen, die wir darüber hinaus noch untersuchen wollen, sind, wie Blickverarbeitung und Blickverhalten bei verbaler Kommunikation zu sozialem Verstehen beitragen und inwiefern diese in klinischen Gruppen (beispielsweise Jugendlichen mit sozialer Ängstlichkeit oder Störung des Sozialverhaltens) verändert sind.

Siehe hierzu auch das Emmy Noether-Projekt „More than meets the eyes“

Soziales Verstehen

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Wie verstehen wir, was andere sehen, wissen, fühlen, denken? Hier gibt es verschiedene Zugänge, auch wenn keiner uns letztendlich in den Kopf unseres Gegenübers transportiert. Ein relativ einfacher Mechanismus ist die räumliche Perspektivbernahme. Meine Studien und die Forschung vieler andere lassen vermuten, dass Menschen relativ automatisch das, was andere sehen, in ihre eigene Weltwahrnehmung integrieren.

Viele soziale Situationen erfordern außerdem, die emotionalen und kognitiven Zustände eines Gegenübers schnell und zutreffend einzuschätzen. Über Empathie, das emotionale Einfühlen in andere, erfassen wir die körperlichen und emotionalen Regungen anderer Menschen. Theory of Mind hingegen bezeichnet das kognitive Sich-Eindenken in andere: was planen, wollen, denken diese? Ich untersuche das Zusammenspiel dieser Prozesse auf Verhaltens- und auf neuronaler Ebene und interessiere mich dafür, wie wir das soziale Verstehen gezielt durch mentale Trainings fördern können. Meine Studien zeigen beispielsweise, dass eine Verbesserung des Verständnisses der eigenen mentalen Zustände auch den Zugang zu den mentalen Zuständen anderer Menschen verbessern kann. Wie wirken sich nun einfache soziale Signale wie Blicken auf das emotionale und kognitive Verstehen anderer Menschen aus?

(Pro)soziales Verhalten

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Ein weiterer Gegenstand meiner Forschung ist soziale Interaktion. Hier versuche ich beispielsweise, die Motive besser zu verstehen, die prosozialem Verhalten zugrunde liegen. Einige Studien lassen vermuten, dass wir altruistisch motivierte von auf sozialen Normen beruhenden Verhaltensweisen abgrenzen können. Außerdem scheinen altruistisch motivierte und norm-basierte Verhaltensweisen sowohl unterschiedlich mit Narzissmus zusammen zu hängen als auch verschieden auf Meditations-Interventionen anzusprechen. Durch das gezielte Training von emotionalen Facetten wie Mitgefühl und Dankbarkeit, konnten wir beispielsweise altruistisch motiviertes Verhalten fördern.  Inwiefern tragen nun auch einfache Mechanismen wie beispielsweise Blickverhalten zu kooperativen Entscheidungen, prosozialem Verhalten und gelungener Interaktion bei? Wo können wir ansetzen, um Altruismus und Kooperation langfristig zu fördern?